Gershwin – Kubanische Ouvertüre

Hat jemand von Euch gestern das Antrittskonzert von Thomas Hengelbrock beim NDR Sinfonieorchester im Radio gehört oder war gar live in der Hamburger Laiszhalle dabei? Es war ein großartiges Konzert; das Publikum hat sich  – eher hanseatenuntypisch – die Seele aus dem Leib gejubelt. Da ist der Funke aber so ‘was von übergesprungen; das hat sogar daheim am Radio funktioniert. Spätestens beim dritten “amerikanischen” Teil hat es auch mich nicht mehr auf dem Sessel gehalten. Das Orchester hat so mitreißend geswingt und gegroovt; man konnte sich kaum vorstellen, dass da ein klassisches Sinfonieorchester spielt, das sich eben noch in Barockmusik und Beethoven vertieft hatte.
Der dritte Teil begann mit der kubanischen Ouvertüre von George Gershwin und dieses Stück möchte ich hier auch herausgreifen. Es kommt ja nicht so oft zu Gehör, obwohl es wirklich wunderbar ist. Wenn Komponisten “Volksmusik” in ihren Werken verarbeiten, kommt ja manchmal eher intellektuell-verkopfte als mitreißende Musik heraus.  Die kubanische Ouvertüre ist in meinen Ohren beides, wie oft bei George Gershwin. Der eher ruhige Mittelteil (startet mit einem hinreißenden Klarinettensolo, Rhapsodie in Blue lässt grüßen) ist genau zum Hinhören; Anfang und Ende nehmen dagegen nicht den Umweg über den Kopf, sondern gehen gleich in die Beine. Das ganze Stück ist rhythmisch eine einzige Riesenherausforderung: Rhythmuswechsel, Tempowechsel, verschiedene Rhythmen nebeneinander, Synkopen ohne Ende … kubanisch eben. Ich bin von solchen durch und durch rhythmischen Werken immer fasziniert. Selbst nicht in der Lage, auch nur ein Schlagwerk sauber mitzuklatschen, bewundere ich Musiker und Dirigenten zutiefst, die das spielen und alles beieinander halten können. Was ich aber mindestens ebenso erstaunlich finde, ist die Wirkung beim Hören. Die Musik geht wirklich in den Körper; man kann kaum zuhören, ohne nicht irgendwo zu wippen und zu wackeln. Ich würde ja zu gerne wissen, was da in unseren Hirnen eigentlich stattfindet…
Aber egal, die Musik ist einfach ein Genuss. Das gilt insbesondere für die gestern zu hörende Version des NDR Sinfonieorchester unter Thomas Hengelbrock. Ich habe auch eine Aufnahme mit dem Saint Louis Symphony Orchestra unter Leonard Slatkin. Aber gegen das Konzert von gestern Abend hört sich diese Aufnahme eher oberflächlich und dahingespielt an. Die Musiker vom NDR waren mit hörbar mehr Leidenschaft und Genuß bei der Sache. Liebe Leute vom NDR, könnt Ihr nicht vom Konzert eine CD herausbringen?

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