Pflaumenmus

Kennt jemand noch das Einmachpapier? Das waren diese Zellophanstücke, die man noch zurechtschneiden musste. Dann wurden sie in kaltem Wasser eingeweicht und nachher eng über die Öffnungen knallheiß gefüllter Marmeladengläser gespannt. Durch die Hitze trocknete und spannte sich das Zellophan und verschloss das Glas einigermaßen dicht. Wenn man allerdings Pech hatte, wurde die Spannung zu groß und -peng- konnte man von vorne anfangen. Eine unbedachtete Bewegung später im Vorratsregal hat auch so manche Abdeckung zerrissen und den Inhalt dem Staub und Schimmel preisgegeben. Da ist so manche herrliche Marmelade schneller als gewünscht den Weg alles Irdischen gegangen. In der Hinsicht war die Erfindung der Twist-off-Gläser ein wahrer Segen. Nur bei einer Marmelade nicht: dem Pflaumenmus.
Die Zellophanschicht war nämlich etwas durchlässig; mit der Zeit verdunstete ein Teil der Feuchtigkeit, der Inhalt wurde immer fester und über’s Jahr nahezu schnittfest. Ehrlich, es geht nur wenig über eine Scheibe konzentriertes Pflaumenmus auf’s Brötchen. Wenn in meiner Familie irgendwie das Thema Pflaumenmus zur Sprache kommt, dauert es nur wenige Sekunden, bis einer sagt: “Weißte noch, der schnittfeste…”. Und alle kriegen leuchtende Augen.

Ok, wenn denn schon nicht mit Zellophanpapier, dann doch wenigstens nach altbewährtem Familienrezept. Der Trick daran ist, dass man auf keinen Fall zu früh umrühren darf. Auch wenn’s schwerfällt: Finger weg! Der Saft, der während der Ziehzeit aus den Zwetschen austritt, bildet eine Schutzschicht. Wer die durch Rühren zerstört, muss entweder stundenlang durchrühren oder riskiert den völligen Ruin von Topf samt Mus, weil’s anbrennt. Also schön vor sich hin blubbern lassen, den Duft genießen, von alten Zeiten träumen, aber NICHT UMRÜHREN.
Die Kochzeit ist übrigens schwer allgemein vorherzusagen, da stark abhängig von der Saftigkeit der Zwetschen. Sie kann also von Jahr zu Jahr, Sorte zu Sorte, Standort zu Standort durchaus deutlich variieren. Aus dem gleichen Grund sollte man auch nur Zwetschen verwenden. Die runden Pflaumen sind ja noch saftiger; das würde ewig dauern.

Ich habe mir übrigens letzten den Spaß gegönnt und im Papierwarenladen nach Einmachpapier gesucht. Die sehr junge Verkäuferin hat mich angeguckt, als wäre ich ungefähr doppelt so alt und schon ein bißchen tüddelig … Ach, wenn sie wüsste… der schnittfeste …

Zutaten für 3-4 Marmeladengläser

1,5 kg Zwetschen, entsteint gewogen
300g Zucker
1 TL gemahlener Zimt

 

Achtung! Die Zwetschen müssen über Nacht durchziehen!

 

So geht’s:

  1. Die entsteinten Zwetschen in einen möglichst großen, weiten Topf geben.
    Ich nehme eine 28cm-Pfanne mit hohem Rand.
  2. Den Zucker darüber streuen und die Zwetschen so über Nacht, d.h. also 10-12h Saft ziehen lassen.
    AB JETZT NICHT MEHR UMRÜHREN!!!!
  3. Am anderen Tag die Zwetschen mit Topfdeckel langsam aufkochen und ca. 30 min bei geringer Hitze mit Deckel durchköcheln lassen. NICHT UMRÜHREN!
  4. Dann den Deckel abnehmen und weiter für ca. 3h vor sich hin blubbern lassen. Immer ‘mal wieder nach dem Rechten sehen UND NICHT UMRÜHREN!
  5. Wenn nur noch sehr, sehr wenig Flüssigkeit im Topf blubbert und das Ganze eine dunkelviolette Farbe angenommen hat, darf endlich umgerührt werden und zwar bei weiterhin geringer Hitze für ca. 15 min. Dabei den Zimt mit unterrühren.
  6. Das heiße Pflaumenmus in blitzsaubere, heiß ausgespülte Gläser füllen. Sofort mit ebenso blitzsauberen Deckeln verschließen und auf den Kopf stellen. Abkühlen lassen.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Koch.Genuss, Vor.Rat abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Pflaumenmus

  1. Emma sagt:

    Liebe Tante Gesine!

    Dein Pflaumenmus schmeckt super, super lecker. Habe das Glas fast alleine aufgegessen.

    Viele Grüße

    Dein Patenkind Emma

  2. Christ sagt:

    Hallo,
    können Sie mir bitte sagen, woher ich Cellophanpapier beziehen kann?

    Liebe Grüße
    Irma Christ

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comments links could be nofollow free.