Gershwin – Porgy and Bess

“Summertime and the livin’ is easy…” – klar doch, ist noch kein Sommer, aber Valentinstag: Zeit für eine wunderbare musikalische Liebesgeschichte: Porgy and Bess. Easy ist hier eigentlich auch nur wenig: es gibt im Verlauf der Oper vier Tote, von denen keiner eines natürlichen Todes stirbt und ein verwaistes Baby in deren Folge, für das obiges Wiegenlied bestimmt ist. Aber es gibt auch Porgy, der Bess aus tiefsten Herzen liebt. Bess liebt auch Porgy, das ist nicht das Problem, aber sie ist doch nicht ganz so charakterfest, wie man sich’s von einer Titelheldin wünscht. Da wäre nämlich noch der drogensüchtige Hallodri Spotin’ Life, dem Bess zwar beim ersten Anlauf einen Korb gibt. Als aber Porgy wegen einer verweigerten Zeugenaussage eine Woche bei der Polizei festgehalten wird, wittert Spotin’ Life seine Chance: bei der gegenwärtigen Lage und wo doch Porgy in Mord und Totschlag verstrickt sei, käme er sicher nicht wieder. Bess solle doch nun aber wirklich lieber mit ihm in New York ein großartiges neues Leben anfangen. Er schafft’s. Als Porgy zurückkommt, sind die beiden schon weg. Und jetzt zeigt sich’s, was wahre, große Liebe ist: Porgy macht sich in Charleston (South Carolina) auf den Weg, seine Bess tausend Kilometer weiter nördlich zu suchen. Was man dazu noch wissen muss: Porgy ist behindert und tritt seine Reise in einem klapprigen Rollstuhl an. Hier endet die Oper, und man könnte schon ganz deprimiert den Kopf hängen lassen, wäre da nicht Porgys energiegeladenes, optimistisches “I’m on my way” am Ende. Er findet sie, ganz sicher! Große Liebe eben!

Gershwin hat die Oper Anfang der 1930er Jahre geschrieben und verfügt, dass die Rollen nur mit Schwarzen besetzt werden dürfen. Wenn man bedenkt, dass der eine oder andere sich heute noch nicht daran gewöhnt hat, einen schwarzen US-Präsidenten ganz normal zu finden, hat Gershwin hier schon ein sehr markantes Statement abgegeben. Die Oper war dennoch von Anfang an ein Erfolg, auch in Amerika selbst, was mit Sicherheit an der mitreißenden Musik liegt. “Summertime” und “I’m on my way” sind nur einige der Stücke, die heute zu den Jazz-Standards gehören und in diversen Bearbeitungen zu hören sind.

Eine Bearbeitung möchte ich hier herausgreifen und besonders ans Herz (Valentinstag!) legen: die Porgy an Bess Fantasy von Percy Grainger, gespielt von dem Piano Duo Genova & Dimitrov. Hier klingt alles so hin-, mit- und herzzereißend, dass niemand mehr an der Liebe und dem Happy End zweifeln kann.
Die CD “America for Two” enthält außerdem noch eine Pianoduo-Version der Kubanischen Overtüre (fast so zum Mitwippen wie die Orchesteraufführung mit Thomas Hengelbrock)  und Symphonischen Tänze zur West Side Story, womit wir fast wieder beim Drama vom letzten Valentinstag wären…

Wunderbare Musik, wunderbare CD, sehr schönes Geschenk für die/den Liebste/n … Happy Valentine’s Day!

 

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