Honegger – Une Cantate de Noël und Saint-Saëns – Oratorio de Noël

Bach ist die Benchmark, gar keine Frage! Sein Weihnachtsoratorium ist monumental, geht zu Herzen und rührt zu Tränen. 5 Paukenschläge und es ist Weihnachten – das muss man erst einmal schaffen. Dagegen ist schwer anzukomponieren. Wer dennoch ‘mal etwas andere Weihnachtsmusik hören will, sollte in die Weihnachtswerke von Saint-Saëns und Honegger ‘reinhören.

Auch wenn Camille Saint-Saëns (1835-1921) in seinem Oratorio de Noël ausdrücklich Bezug auf J.S.Bach nimmt – “dans le style de Seb.Bach” – ist dieses Werk doch ganz anders. Keine donnernde Gewaltigkeit, sondern genau die richtige Musik, wenn man im Weihnachtstrubel eine Dreiviertelstunde Ruhe und Frieden haben will. Das Oratorio besteht aus 10 einzelnen Stücken für Solisten, Chor, Streichorchester, Orgel und Harfe, allesamt ruhig, schwebend und manche – wie mein Favorit Teil 4 –  ausgesprochen innig.

Arthur Honeggers (1892-1955) Weihnachtskantate ist da deutlich gewöhnungsbedürftiger. Sie fängt an wie ein Gruselfilm, was allerdings kein Wunder ist, wenn man seine Intention bedenkt: die Kantate soll eine kurze Geschichte der Zeit vom Urlicht im Alten Testament bis zur Geburt von Christus darstellen.  Wenn man sich durch die dunklen Passagen durchgehört hat (etwa nach 7 Minuten), wird man belohnt mit wunderbar gebrochenen Harmonien, richtig jazzig. Dann kommt man ins weihnachtliche Grübel: War das nicht eben “Es ist ein Ros’…” oder nein, war es nicht …? War alles dabei. Und wie einem dann doch so langsam weihnachtlich wird um’s Herz, kommt mein absoluter Favorit ” Laudate domino”: geschmetterter Dreiertakt, es hält einen nicht mehr auf dem Stuhl: Man umarmt seine Lieben, wünscht fröhliche Weihnachten und widmet sich gerührt dem abschließenden, raffinierten Ratespiel “Wer weiß zuerst den Titel vom versteckten Weihnachtslied?”.

Weihnachtsmusik ‘mal ganz anders, aber auch ganz großartig.

Während es vom Bachschen Werk unzählige Einspielungen gibt, findet man Honegger und Saint-Saëns eher selten. Nachdem ich tatsächlich all die Jahre immer noch meine Schallplatten (!) aus den 80er Jahren mit Versionen vom Dresdener Kreuzchor und einer schier unausprechlichen tschechischen Aufnahme aufgelegt habe, war es dieses Jahr Zeit für eine Neuanschaffung. Seit kurzem bin ich glücklicher Hörer der Einspielungen durch den Bach(!)chor Mainz (Camille Saint-Saëns) und dem London Philharmonic Orchestra und Choir (Arthur Honegger). Die CD vom Bachchor Mainz heißt “Noël – French Romantic Music for Christmas” und enthält noch andere wunderbare Stücke, ja auch das “Ave Maria” von Gounod und “Panis Angelicus” von Franck. Und man hüte sich vor naserümpfenden Vorurteilen ! Es sind alle Stücke, auch diese Gassenhauer, ganz wunderbar ohne Zuckerguss musiziert.
Auf der CD des London Philharmonic Orchestras sind nur Stücke von Arthur Honegger, ebenfalls alle sehr hörenswert.

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